Was sind inklusionsdidaktische Netze?

Das Modell der inklusionsdidaktischen Netze kann Lehrerinnen und Lehrer bei der Planung ihres Unterrichts unterstützen. Das didaktische Potenzial eines Unterrichtsgegenstands wird hinsichtlich seiner fachlichen und lebensweltlichen Bedeutung aus mehreren Perspektiven deutlich. So können Inhalte aus der Sozialwissenschaft, Geografie, Naturwissenschaft, Geschichte und Technik, aber auch beispielsweise aus der Ethik oder der Ökonomie.

Außerdem kann erschlossen werden, welche sensomotorischen, kommunikativen, emotionalen, sozialen und kognitiven Fördermöglichkeiten der Unterrichtsinhalt bietet.

Wie geht man vor?

In einem ersten Schritt wird der Unterrichtsgegenstand (z.B. "Wald") aus dem Blickwinkel der genannten Fach- perspektiven beleuchtet:

Welche sozialwissenschaftlichen (z.B. der Wald als öffentlicher Erholungsraum), geografischen (z.B. Vertei- lung bewaldeter Gebiete in Deutschland), naturwissenschaftlichen (z.B. Vielfalt der Baumarten), historischen (z.B. Verwendung von Holz früher und heute) und technischen (z.B. Geräte der Fortwirtschaft) Aspekte beinhaltet dieser Unterrichtsgegenstand? Dabei ist der Blick fokussierter als bei einem reinen Brainstorming, da die Frage nach dem Potenzial für das Lernen der Schüler im Mittelpunkt steht.

 

Im zweiten Schritt konzentriert man sich auf die Frage, welche Fördermöglichkeiten sich aus dem Unterricht ergeben im sensomotorischen (z.B. Rinde verschiedener Bäume ertasten), kommunikativen (z.B. Geräusche im Wald beschreiben), emotionalen (z.B. im Wald zur Ruhe kommen), sozialen (z.B. den Wald als Ort gemeinsamen Spielens) und kognitiven (z.B. Verantwortung für Tiere und Pflanzen übernehmen) Entwicklungsbereich.

 

Im dritten und letzten Schritt wird reflektiert, welche fachlichen und entwicklungsorientierten Anregungen für die jeweilige Lerngruppe sinnvoll sind. Damit wird auch deutlich, dass dieses Planungsmodell in der Umsetzung von der Vielfalt der Ideen eines Teams aus Lehrerinnen und Lehrer profitiert. Jede einzelne Lehrperson wählt im dritten Schritt die für die Klasse passenden Aspekte aus, wodurch ein individuelles Netz aus Aspekten entsteht.

Wie lassen sich die Entwicklungsbereiche besonders berücksichtigen?

Der erste und dritte Schritt waren auch schon vor dem Anspruch einer inklusionsorientierten Didaktik immanente Bestandteile der Unterrichtsplanung, wenngleich die Mehrperspektivität des ersten Planungsschritts wohl nicht immer bewusst und zielgerichtet vollzogen wird.

Für Lehrkräfte, die hinsichtlich der Entwicklungsbereiche im zweiten Schritt nicht explizit ausgebildet wurden, könnte es anspruchsvoll sein, diese Bereiche zu konkretisieren. Wertvolle Impulse kann hier beispielsweise der bayerische Rahmenlehrplan für den Förderschwerpunkt Lernen (Link zum Download) bieten, in dem Hinweise zu den Entwicklungsbereichen gegeben werden. Die Übersichten zu den vier Bereichen, die im bayerischen Rahmenlehrplan ausführlich beschrieben werden, sollen als erste Orientierung dienen.

Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München (Hg.) (2012): Rahmenlehrplan für den Förderschwerpunkt Lernen. München. Online verfügbar unter http://www.isb.bayern.de/foerderschulen/lehrplan/foerderschulen/lehrplaene-foerderschwerpunkt-lernen/lernen/1149/ (zuletzt aufgerufen am 23.5.16)